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Interview Pfötchenretter

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Interview mit Anna Brezina von Pfötchenretter

Mit einem Teil des Supportergeldes wollen wir eine Tierschutzorganisation unterstützen. Der Tierschutzverein „Pfötchenretter“ ist einer von drei Vereinen, welche unsere Supporter in der Supporter-Area wählen können, damit Sie von uns gesponsort werden. Hier könnt Ihr Euch ein Bild von „Pfötchenretter“ machen.

Tony der Mops beim Interview mit Pfötchenretter

Wir haben die 1. Vorsitzende Anna Brezina von „Pfötchenretter“ in Remagen (Koblenz) besucht und interviewt.

CARMELO: Hi Anna, vielen Dank, dass wir heute mit Dir ein Interview führen können. Meine erste Frage an Dich: Kannst Du uns in zwei, drei Sätzen beschreiben, was Euer Verein genau macht?

ANNA: „Wir helfen Hunden im In- und Ausland, um die Lebenssituation der Hunde zu verbessern. Wir führen Kastrations-Events durch und holen einige Hunde nach Deutschland, um für Sie geeignete Familien zu finden.“

CARMELO: „Wie sieht ein ganz normaler Tagesablauf eines Mitarbeiter hier in Deutschland aus? Und wie genau helft Ihr den Hunden?"

ANNA: „Jeder Tag fängt ganz unterschiedlich an, da wir alle sehr individuelle Persönlichkeiten sind. Einige arbeiten, ich selber bin Studentin mit einem Nebenjob und einige sind Hausfrauen/-männer. Es kann vorkommen, dass um acht Uhr morgens das Telefon klingelt. Es melden sich Interessenten oder Adoptanten, die schon ein Hund von uns haben, aber noch Unterstützung haben möchten. Jeden Tag haben unsere eigenen Projektleitern in den drei Ländern im Ausland mit denen wir zusammenarbeiten, Kontakt zu den Tierschützern. Wir tauschen uns mit Ihnen aus, z.B. über die Eigenschaften der zu helfenden Hunde, versuchen auch durch soziale Netzwerke und telefonieren den Hunden zu helfen bzw. zu vermitteln. D.h. wir planen die Transporte, die Kastrationen und die ganze tierärztliche Versorgung zusammen. Somit ist eines unserer Haupttätigkeiten zu telefonieren. Wir müssen auch Büroarbeiten erledigen, wie z.B. Verträge und Tasso-Unterlagen verschicken. Weiterhin sind wir auch viel On-Tour unterwegs, um Adoptanten zu besuchen, um zu sehen wie der vermittelte Hund lebt. Wir führen auch Vorkontrollen bei potentiellen Adoptanten durch, um zu sehen, ob diese die Vorrausetzungen für die Adoption eines Hundes erfüllen. Da wir die Verantwortung jedes einzelnen Hundes tragen, darf man bei der Vermittlung des Hundes nicht leichtfertig vorgehen.“

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CARMELO: „Wie sieht der Vermittlungsprozess genau aus? Und nach welchen Kriterien werden denn die Hunde genau ausgesucht?“

ANNA: „Der Vermittlungsprozess beginnt mit dem engen Kontakt der Tierschützer vor Ort. Hier telefonieren, skypen oder nutzen die sozialen Netzwerke oder E-Mails. Dann schauen wir, welche Hunde es dringend benötigen geholfen zu werden. Gerade die Hunde, die eine geringe Vermittlungschance haben, werden von uns besonders berücksichtigt. Solche Hunde die keine Chance hätten vermittelt zu werden oder die andere Vereine nicht aufnehmen würden, versuchen wir besonders zu helfen. Bspw. sind es Dreibeinchen oder Rollstuhlhunde, die nicht mehr laufen können. Dabei schauen wir zu allererst nach der Dringlichkeit, ob der Hund z.B. noch auf der Straße lebt, wie der Hund von seinem Wesen her ist und welche Präferenzen unsere Interessenten gerade haben.  Wenn wir die Hunde dann ausgesucht haben, dann kommen sie auf unsere Homepage, den Vermittlungsportalen oder auf unseren sozialen Netzwerken. Wir geben aber auch Zeitungsannoncen auf.

Es gibt Familien, die den Hund dann direkt adoptieren möchten. Dieser wird dann am Transportpunkt, direkt von den Adoptanten, abgeholt. Aber es gibt auch Familien, die den Hund nur auf Zeit ein zu Hause geben möchten. Das sind dann die sogenannten Pflegestellen, die wir auch immer händeringend suchen. Diese nehmen den Hund so lange auf, bis wir für ihn ein schönes zu Hause gefunden haben. Wenn wir dann eine passende Pflegefamilie gefunden haben, müssen selbstverständlich die Voraussetzungen geprüft werden. Hat die Familie z.B. Katzen, muss der Hund katzenverträglich sein. Wir lassen die Hunde auch im Ausland von den Tierschützern vor Ort testen, wie sie auf Kinder reagieren oder inwieweit sie sozialisiert sind, damit wir die passende Familie finden können. Denn es gibt nichts schlimmeres, als dass der Hund von der Pflegefamilie, aufgrund einer Unverträglichkeit, wieder zurückkommt. Damit haben sowohl die Tierschützer im Ausland als auch wir nichts gewonnen, wenn falsche Angaben über den Hund abgegeben worden sind. Hier können wir uns aber auf unsere Tierschützer vor Ort verlassen.

Wenn der Hund dann vermittelt ist, wird von unserer Seite eine Vorkontrolle gemacht. Einige Zeit später werden auch Nachkontrollen durchgeführt, um zu sehen, ob es dem Hund immer noch gut geht. Wir bleiben mit der Pflegefamilie in Kontakt und bekommen auch regelmäßig neue Bilder vom vermittelten Hund. Das ist auch der Lohn für unsere Arbeit. Vorher hat der Hund auf der Straße gelebt, es ging ihm schlecht, war abgemagert oder krank. Und jetzt lebt er glücklich mit seiner neuen Familie auf einer warmen Decke, hat ein volles Bäuchlein und bekommt alle Liebe der Welt.“

 

 

CARMELO: „Ihr habt ja, wie Du schon sagtest, verschiedene Projekte im Ausland, wie bspw. in Rumänien, Bulgarien oder Spanien. Kannst Du uns darüber etwas erzählen?“

ANNA: „Wir helfen in diesen drei ausgewählten Ländern und arbeiten vor Ort mit Tierschützern oder Tierschutzorganisationen zusammen. In Bulgarien ist es eine Stiftung, in Rumänien und Spanien sind es meist Einzelkämpfer, aber auch Vereine. Wir unterstützen sie, um die Hunde vor Ort zu sichern. Wenn Hunde in einer Tötungsstation sind oder auf der Straße leben unterstützen wir die Tierschützer, um Unterkünfte für die Hunde zu bauen oder Pflegestellen zu finden. Wir betreuen sie vom Fund des Hundes bis zur letzten tierärztlichen Versorgung (Entwurmung, Impfungen, Chippen, evtl. Kastration usw.). Dann wird der Hund nach Deutschland in eine Pflegestelle oder direkt beim Adoptanten untergebracht. Was auch sehr wichtig ist, dass wir nicht nur die Hunde nach Deutschland importieren, sondern auch vor Ort in den jeweiligen Ländern helfen. Wir machen einmal im Monat ein sogenanntes Kastrations-Event. Hier werden Straßenhunde kastriert, um die Population zu verringern. Die Hunde werden mit einer Marke im Ohr versehen, so dass die Hundefänger sehen können, dass der Hund kastriert ist. Diese Hunde werden meistens nicht in die Tötungsstationen gebracht.“

CARMELO: „Warum ist es genau so wichtig im Ausland als auch im Inland Hunden zu helfen?“

ANNA: „Der erste große Unterschied zwischen In- und Ausland ist, dass in Deutschland die Hunde in den Tierheimen nicht getötet werden. Hier in Deutschland haben viele Hundehalter Probleme mit ihren Tieren, die dann in ein Tierheim gebracht werden. Deshalb unterstützen wir auch die Tierheime hier in Deutschland und auch Privatpersonen, die ihren Hund abgeben wollen. Im Ausland haben die Hunde meistens auch weniger Rechte als Deutschland. Viele Tierheime in Deutschland betreiben auch Auslandstiertierschutz, wie wir Tierschutzvereine. Wichtig hierbei ist, dass es ehrlich, seriös und transparent gemacht wird und dass man weiß, wohin Spendengelder fließen. Es gibt sicherlich viele „schwarze Schafe“ in diesem Bereich, die dann im Ausland damit Geld machen. Deshalb ist Transparenz sehr wichtig, damit man sieht, wohin die Gelder fließen und es den Hunden zu Gute kommt, die es wirklich dringend brauchen. Viele Hunde im Ausland erleiden am Hunger- oder Kältetod. Den Kältetod gibt es ganz oft, gerade in Rumänien oder Bulgarien. Deshalb ist es so wichtig, dass es diesen Hunden geholfen wird. Hier in Deutschland gibt es auch mehr Menschen, die auch mehr hinschauen und mehr gegen solche Missstände etwas tun. Sei es dieses beim Ordnungsamt oder beim Veterinärsamt zu melden. Das würde ich auch den Leuten in Deutschland raten, sich bei solchen Ämtern Hilfe zu holen, weil wir als Tierschutzverein nicht das Recht haben, einen Hund in einer misslichen Lage aus einer Privatfamilie wegzunehmen. Genauso wichtig ist es auch im Ausland einem Hund zu helfen, der gar keine Stimme hat. Wir als Tierschutzverein stehen dahinter, dass dieser Hund nach Deutschland kommt und er eine Chance bekommt ein ganz normales Leben zu führen, so wie es jeder Hund verdient hat. Und das ist das Wichtige, dass diesen Hunden eine Chance gegeben wird und nicht gleich genommen wird, nur weil er aus einem anderen Land kommt.“

 

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CARMELO: „Um auf Deutschland wieder zurück zukommen. Aus welchen Gründen werden denn die meisten Hunde in Deutschland abgegeben oder vernachlässigt?“

ANNA: „Wir betreuen unsere vermittelten Hunde sehr lange. Durch die Vor- und Nachkontrollen überprüfen wir, ob die Familie noch geeignet ist, den Hund oder den Eigenarten des Hundes gerecht zu werden. So wie wir den Hunden im Ausland helfen, helfen wir auch vielen Hunden in Deutschland. Wenn z.B. eine Privatperson uns kontaktiert, dass sie den Hund nicht mehr halten kann und sie dem Hund das Tierheim ersparen will, dann versuchen wir für den Hund eine Pflegestelle zu finden. Hier kann dann der Hund so lange bleiben, bis er ein neues zu Hause hat. Wird keine passende Pflegestelle gefunden, bieten wir die Vermittlungshilfe an. D.h. der betreffende Hund wird in unsere sozialen Netzwerke, die Tiervermittlung, in Zeitungsanzeigen und auf unserer Homepage inseriert. Diese Personen wissen in diesem Moment nicht weiter und manchmal ist das Tierheim leider nicht der richtige Ort für den Hund, wobei wir mit vielen Tierheimen in Deutschland zusammenarbeiten. Hunde in Tierheimen haben eine geringere Vermittlungschance, weil sie nicht so viel über die Hunde sagen können, als die Pflegefamilien, wo die Hunde in einem normalen Familienanschluss leben. Wichtig hierbei ist, dass Tierheime und Tierschutzvereine zusammenarbeiten. Denn es sollte und darf es bei dieser Sache keine Konkurrenz geben. Im Vordergrund sollte die Vermittlung des Hundes stehen.

Mit dieser guten Kooperation versuchen wir die Probleme, die Hunde in Deutschland haben, zu bewältigen. Viele Hunde haben z.B. das Problem mit dem lange alleine sein. Oder ab dem 8. Lebensmonat kommen die Hunde ins Flegelalter, in dem sie nicht mehr so gehorsam sind und viel Blödsinn machen. Viele Hunde schnappen, kommen mit den Kindern nicht mehr klar, ziehen an der Leine oder zeigen soziale Unverträglichkeiten auf der Straße. Hier versuchen wir das Leben mit dem Hund in den Privatfamilien zu optimieren, in dem wir Tipps und Ratschläge den Adoptanten geben.“

CARMELO: „Welche wichtigen Punkte sollten deiner Meinung nach Hundehalter beachten, damit es den Hunden richtig gut geht?“

ANNA: „Wir raten unseren Adoptanten am Anfang die drei Schlagwörter: Liebe, Zeit und Geduld. Ein Hund macht in manchen Fällen viel mit, wenn er z.B. von einer vorhandenen Familie getrennt worden ist oder anderen ungünstigen Umständen ausgesetzt war. Hierbei muss man mit viel Geduld an den Hund herangehen, weil manche Hunde verängstigt sind und wieder das Vertrauen in die Menschen wiedererlangen müssen. Wir vermitteln z.B. viele Hunde, die stock- und stabscheu sind oder Angst vor der Menschenhand haben.

Mit einer liebevollen und konsequenten Erziehung kann man den Hunden eigentlich alles beibringen. Der eine lässt sich mit Leckerlis, der andere mit Spielzeug locken. Manche brauchen viele Schmuseeinheiten, andere sind verängstigt oder überdreht.  Man muss sehr individuell auf die Hunde eingehen. Wir raten den Leuten, nicht nach einer Woche direkt aufzugeben, sondern sich bei „unlösbaren“ Hindernissen sich professionelle Hilfe von Hundetrainern oder Hundeschulen zu holen.

Eine andere wichtige Komponente ist auch die tierärztliche Seite. Der regelmäßige jährliche Tierarztbesuch ist sehr wichtig. Sie müssen untersucht werden und eine ähnliche Vorsorgeuntersuchung, wie bei uns Menschen, treffen. Der Hund sollte auch vierteljährlich entwurmt werden, gerade wenn sie mit Kindern zusammenleben. Aber auch der Zecken- bzw. Flohschutz sollte, bis auf die Wintermonate, vierteljährlich vollzogen werden. Man sollte sich regelmäßig auch die Zähne oder die Augen des Hundes anschauen. Also immer beobachten, ob sich alles normal verhält. Und wenn was sein sollte, dann nicht die Kosten und Mühen scheuen  zum Tierarzt zu fahren und es professionell untersuchen zu lassen. Ein Tipp von mir: Wenn ich abends auf der Couch mit meinem Hund liege, dann streichele ich ihn automatisch. Beim Streicheln, kann man Veränderungen auf der Haut spüren oder auch mal eine Zecke finden.“

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CARMELO: „Welche Vorteile hat man als Mensch, wenn man sich auf einen Hund einlässt? Ist jeder dafür geeignet einen Hund zu halten?“

ANNA: „Ob jeder dafür geeignet ist, dass muss man natürlich prüfen. Das ist der Grund wieso wir Vor- und Nachkontrollen machen. Unsere Hunde werden nur als Wohnungs- oder Familienhunde vermittelt, also nicht für einen Hof, einem Zwinger oder an einer Kette. Aber jeder der die nötige Liebe im Herz oder wir sagen das Hundeherz am richtigen Fleck hat, der könnte von uns einen Hund bekommen. Eine Vorkontrolle klingt immer so penibel, aber wir schauen nicht, ob derjenige am letzten Abend Lust hatte zu spülen, sondern uns ist wichtig, dass man die Liebe spürt. Ich selber nehme meinen Hund immer mit und sehe auch wie die Leute auf meinen Hund reagieren. Hier kann man ersehen, ob die Leute penibel z.B. auf Hundehaare reagieren. Solchen Leuten sollten sich lieber keinen Hund anschaffen. Ein Hund macht halt Dreck. Gerade im Winter mit ihren matschigen Pfoten ist die Bude schnell versaut. Wichtig ist, dass die Leute wissen worauf sie sich einlassen und dass es eine Bindung für 20 Jahre sein kann.

Und das ist im Endeffekt für mich der Profit, dass man den Hund ein zu Hause gibt. Ich mache Tierschutz seit über einem Jahr. Viele fragen mich, wieso ich mich für Hunde einsetze. Meinem Hund würde es doch gut gehen. Dann erkläre ich den Leuten, immer wenn ich meinem Hund abends in die Augen schaue, dann denke ich, dass viele andere Hunde da draußen, denen es nicht so gut geht, es genauso verdient haben, ein schönes zu Hause und Leben zu haben. Und das ist der Grund wieso wir immer weiter machen. Die Hunde tun einem nie etwas Böses oder aus Trotz, weil sie einem nicht mögen. Die Hunde möchten einfach nur bedingungslos geliebt werden. Und wenn man ihnen das zurückschenkt, mit einer normalen, konsequenten und liebevollen Erziehung, dann hat man den besten Lebenspartner der Welt. Und dieses Gefühl wird einem manchmal noch nicht mal vom Menschen geschenkt. Deshalb sind Hunde die treuesten Begleiter, die man haben kann.“

CARMELO: „Gibt es noch etwas, was Du den Leuten draußen mitteilen möchtest?“

ANNA: „Und zwar möchte ich die Menschen da draußen darum bitten, dass, obwohl sie keine Tierschützer sind oder übermorgen zum Tierschützer werden, einfach nicht weg schauen, sondern eben hin sehen. Ich wünsche mir, dass Tierleiden, ob in Deutschland, vor der Haustür, in einem Nachbarland oder weiter weg, verringert wird. Speziell die Hunde haben nur den Menschen. Und wer, wenn nicht wir, sollen sich für die Hunde einsetzen.“

CARMELO: „Wieso sollten unsere Supporter gerade Pfötchenretter unterstützen?“

ANNA: „Weil wir einfach anderen Tierschutz machen. Wir beschränken uns nicht nur auf das Inland, sondern auch auf das Ausland. Außerdem helfen wir den Hunden, die fast gar keine Chance mehr haben, d.h. die von anderen Tierschutzvereinen schon abgeschrieben worden sind. Das sind Dreibeinchen, Hunde mit einem Auge, Rollstuhlhunde oder großen schwarzen Hunden. Auch ihnen verschaffen wir ein glückliches Leben. Wir klären auch viel auf und sind für jeden Menschen der Hilfe im Umgang mit Hunden braucht, auf jeden Fall da. Und ich sage immer, wenn ich in die Augen meines Hundes schaue, dann weiß ich ganz genau wieso ich das tue.“

CARMELO: „Anna vielen lieben Dank für das Interview. Danke für deine Zeit, Tipps und die Vorstellung deines Vereins.“

 

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