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Interview Tiertafel Deutschland

vor 3 Jahren, 1 Monat - Aufrufe

Interview mit Claudia Hollm von der Tiertafel Deutschland

Mit einem Teil des Supportergeldes wollen wir eine Tierschutzorganisation unterstützen. Der Tierschutzverein „Tiertafel Deutschland“ ist einer von drei Organisationen, welche unsere Supporter in der Supporter-Area auswählen können, damit Sie von uns gesponsort werden. Hier könnt Ihr Euch ein Bild von der „Tiertafel Deutschland“ machen.

Tony der Mops beim Interview mit Tiertafel Deutschland

Wir haben die 1. Vorsitzende Claudia Hollm von der Tiertafel Deutschland in Rathenow (nähe Berlin) besucht und interviewt.

CARMELO: „Hi Claudia! Vielen Dank, dass wir ein Interview mit Dir führen können. Kannst Du uns kurz beschreiben, was die Tiertafel Deutschland genau macht.“

CLAUDIA: „Die Tiertafel Deutschland hilft Bedürftigen, dass sie ihre Tiere behalten können. D.h. Hartz IV Empfänger, Senioren mit wenig Geld, die ihre Tiere schon lange vorher hatten, sollten die Tiere zu Hause behalten können. Wir helfen mit Futter, Sachspenden, manchmal, wenn wir das Geld haben, auch mit Tierarztkosten. Der Fokus unserer Arbeit liegt im Besonderen, dass die Tiere zu Hause bleiben können. Ein weiterer Aspekt ist, dass wir mit den Menschen vor Ort reden können. Hier betreiben wir Aufklärung über eine artgerechte Tierhaltung und wie man Fehler oder Krankheiten vermeiden kann.“

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CARMELO:  „Wie sieht ein ganz normaler Tagesablauf eines Mitarbeiters der Tiertafel Deutschland aus?“

CLAUDIA: „Da muss man zwischen zwei Arten von Mitarbeiter unterscheiden. Einmal die Helfer und einmal die Ausgabenstellenleiter. Unsere Ausgabenstellenleiter stehen mit der Tiertafel auf und gehen mit der Tiertafel abends wieder ins Bett. Zwischendrin arbeiten sie noch acht Stunden in ihrem normalen Job. Zu den anfallenden Arbeiten gehören Büroarbeiten, wie Statistiken führen oder die Kasse pflegen. Weiterhin werden neue Spender gesucht oder auch Spenden eingesammelt. Die jeweilige Ausgabestelle bestücken. Es ist eigentlich ein Vollzeitjob, den man um die „normale“ Arbeit herum macht. Wir sind auch z.B. oft auf Messen vertreten. Die Arbeit bei der Tiertafel ist unheimlich vielfältig, welche leider auch mit viel Bürokratie verbunden ist. Aber wenn man so groß wird, wie wir es geworden sind, muss man auch damit leben.“

CARMELO: „Welche Menschen bzw. Tiere können Eure Hilfe in Anspruch nehmen? Welche Voraussetzungen müssen diese mitbringen?“

CLAUDIA: „Die Menschen, die von uns unterstützt werden, müssen in Not sein. Dies bedeutet auch, dass sie es nachweisen müssen. Es sind hauptsächlich Hartz IV Empfänger. Es sind auch viele Senioren, da die Altersarmut in letzter Zeit ziemlich gewachsen ist. Zu den weiteren Menschen, welchen wir helfen, gehören auch sogenannte Sonderfälle dazu. Dies kann z.B. eine Frau mit drei Kindern sein, die von ihrem Mann verlassen wurde. Diese bekommt in der Regel nicht sofort Hartz IV. Also wir haben viele Sonderfälle, denen wir auch Soforthilfe geben. Wichtig hierbei ist, dass die Menschen das Tier vor der Armut gehabt haben. Wir unterstützen keine Neuanschaffungen, weil wir der Meinung sind, dass Menschen, die mit wenig Geld auskommen müssen, sich nicht noch ein Lebewesen anschaffen sollten. Viele dieser Menschen sagen, dass sie ja viel Zeit und Liebe für das Tier hätten, aber kein Geld. Es gehört ja nicht nur das Futter dazu, sondern auch die Tierarztbesuche oder das Geld für unvorhergesehene Operationen. In solchen Fällen kann man ja das Tier nicht einschläfern lassen, nur weil das Geld für eine solche OP fehlt. Deshalb muss man sich genau überlegen, ob man sich ein Tier auch finanziell leisten kann.“

 

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CARMELO: „Wie viele Ausgabestellen habt ihr bundesweit? Und in welchen zeitlichen Abständen, wird den Menschen/Tieren das Futter zur Verfügung gestellt?“

CLAUDIA: „Wir haben zur Zeit 19 Ausgabestellen. Wir eröffnen demnächst Ausgabestellen in Gersfeld, nahe Fulda, Dortmund und Weilsrode, bei Bremen. Es werden im Laufe von 2013 noch weitere Eröffnungen folgen. Die Öffnungszeiten der Ausgabestellen ist sehr unterschiedlich, weil die Ausgabenleiter vor Ort selbständig, und je nach Unterstützung, entscheiden können, wie oft sie aufmachen wollen. wird Die Ausgabestelle wird aber im Minimum zweimal im Monat geöffnet. Manche machen aber auch einmal pro Woche auf.“

CARMELO: „Ein weiterer Aspekt Eurer Arbeit ist ja auch die Vermittlung und die Suche nach Pflegestellen von Hunden und Katzen, die in einer schwierigen Lage sind. Handelt es sich hier um Tiere aus Deutschland? Und kannst du uns darüber etwas erzählen, wie ihr da vorgeht?“

CLAUDIA: „Wir sind nicht der klassische Vermittlungsverein, sondern die Tiere, welche wir über unsere Homepage vermitteln wollen, sind Tiere von unseren Kunden. Es gibt verschiedene Schicksalsschläge der Menschen: Dazu zählen Gefägnisaufenthalte, Krankenhausaufenthalte, gesundheitliche Einschränkungen, ältere Leute, die in ein Altersheim müssen usw.  Die Tiere dieser Menschen versuchen wir zu vermitteln und sie gut unterzubringen. Das ist ziemlich anstrengend, weil ein guter Pflegeplatz beinhaltet auch eine ganze Menge Faktoren. Man muss die Liebe, das Verständnis und die Räumlichkeiten bei den Personen vorfinden, damit die Tiere gut unterkommen. Wir müssen natürlich auch Vor- und Nachkontrollen machen. Aber uns ist es wichtig, dass unsere Kunden das gute Gefühl haben, dass wenn Ihnen etwas passiert, dass ihre Tiere gut bei uns aufgehoben sind.“

 

 

CARMELO: „Ihr habt auch ein Projekt, das sich die Graue Tiertafel nennt. Um was geht es hier genau?“

CLAUDIA: „Wir haben am Anfang unserer Arbeit gemerkt, dass ganz viele ältere Menschen Probleme haben. Nicht nur das sie finanzielle Schwierigkeiten durch die knappe Rente haben, sondern dass sie mit ganz vielen Sorgen belastet sind. Mit dem Hinblick „Was passiert, wenn ich sterbe?“. Die Menschen wollen z.B. nicht, dass der Hund dann in ein Tierheim kommt. Es sind ganz reale Ängste von älteren Menschen. Daraufhin haben wir die Graue Tiertafel ins Leben gerufen. In diesem Konzept bringen wir alte Tiere und alte Menschen zusammen, mit der Sicherheit, dass wenn der Mensch vor dem Tier stirbt, dann bleibt das Tier bei uns im Netzwerk. Wir suchen für das Tier wieder einen älteren Menschen, der den letzten Weg mit dem Tier geht. Genauso ist es, wenn das Tier vor dem Menschen stirbt, dann kümmern wir uns um vieles. Bspw. dass die Person eine Urne des Tieres bekommt und in Ruhe trauern kann und wenn gewünscht suchen wir der Person auch wieder das passende Tier.“

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CARMELO: „Um wieder auf das Futter zurückzukommen? Heutzutage wird ja für Hunde alles Mögliche als Futter angeboten. Trockenfutter, Nassfutter, BARF(also rohes Fleisch) usw.. Da kann man ja schnell den Überblick verlieren. Was würdest du allgemein den Haltern für Futter für Ihre Hunde empfehlen? Kann es auch mal etwas selbst gekochtes sein?“

CLAUDIA: „Ich bin für alles was gesund ist. Natürlich kann man gesund verschieden definieren. Ich finde es nicht schön, wenn man irgendwelchen Mist füttert. Dies kann man über die Inhaltsangabe beim Futter schnell nachvollziehen, wenn hier bspw. 80% Hundemehl oder Abfälle angegeben werden. Das würde ich selber nicht essen und würde es meinen Tieren auch nicht geben. Ich finde BARFen sehr gut, wenn man die nötige Zeit und das Geld hat. Hierbei muss die Ernährung mit Zusatzstoffen zusätzlich angereichert werden.

 

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Ich halte sehr viel von Hundefutter, in dem 50-60% Fleisch enthalten sind. Bei Hundefutter muss man genau nachvollziehen können, welche Inhaltsstoffe beinhaltet sind. Ganz wichtig für mich ist, dass man weiß woher es kommt. Ich bin sehr BIO angehaucht. Ich finde diese Futtersorten sehr gut, wo mir mit einem Etikett/Zertifikat versichert wird, dass die Tiere die im Futter verwurstet werden, ein gesundes und artgerechtes Leben hatten. Damit meine ich, dass die Kühe draußen auf der Wiese gelebt haben, die Schweine nicht in Masthaltung waren oder die Hähnchen nicht in irgendwelchen Legebatterien gelebt haben. Ich finde es ein wenig makaber, unsere Tiere mit Futter verwöhnen zu wollen, wo andere Tiere dafür leiden mussten. Es gibt verschiedene Hersteller, die darauf achten, wo und wie ihre Tiere gehalten werden. Das sind die Sachen, worauf ich auf Tierfutter achte. Man muss immer differenzieren und mit „Hirn“ einkaufen. Wir machen es ja selbst, wenn wir Lebensmittel für uns selbst einkaufen. Die Halter sollen genauer auf die Inhaltsangabe und entsprechende Zertifikate achten. Manchmal ist der Preisunterschied zu den „günstigen“ und qualitätsärmeren Futtersorten gar nicht mal so hoch.“

CARMELO: „Gibt es noch etwas, dass du den Leuten da draußen gerne mitteilen würdest?“

CLAUDIA: „Ich würde allen ans Herz legen, auf unsere Tiere und die Natur zu achten. Unterstützt den Tony auf seiner Weltreise, weil es eine gute Idee ist. Tony wird auf seiner Reise bestimmt viel erreichen und uns viel über die Tiere und die Menschen auf dieser Reise erzählen können.“

CARMELO: „Wieso sollten unsere Supporter gerade die Tiertafel Deutschland unterstützen?“

CLAUDIA: „Mal abgesehen davon, dass wir ganz toll sind…. dass wahrscheinlich alle sagen. Wir sind die einzige Schnittstelle zwischen Mensch und Tier. Viele andere Organisationen können erst dann eingreifen, wenn der Hund oder die Katze „in den Brunnen gefallen ist“. Wir haben die seltene Chance, dass wir die Leute vorher erreichen. Und deswegen denke ich, dass wir die Unterstützung verdient hätten.“

CARMELO: „Danke für das Interview.“

Im Videobeitrag könnt ihr euch das komplette Interview ansehen. Hierbei könnt ihr auch das Zentrallager der Deutschen Tiertafel und die Ausgabestelle in Rathenow sehen. Viel Spaß!

 

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